Bevor ich anfange, über das eigentliche Thema zu schreiben, wollte ich nur eben anmerken, dass es mich tierisch aufregt, dass jeder Post eine andere Schriftart/-größe/-dicke hat. Da rastet der Perfektionist in mir wirklich aus. Aber das liegt daran, dass die App, mit der ich die Posts in der Klinik verfasse, es nicht so drauf hat. Genug dazu.
Mittlerweile bin ich schon seit sechs Wochen stationär in Tübingen und ich kann nicht wirklich sagen, dass die Zeit wie im Flug vergangen ist. Klar, so lang kam es mir jetzt auch wieder nicht vor, was daran liegt, dass ich ziemlich viele Freiheiten habe, aber wenn ich daran danke, dass ich nochmal genau die gleiche Zeit dort absitzen muss, werd ich wahnsinnig. Die Therapie ist zwar gut und ich mache immernoch Fortschritte (abgesehen von letzter Woche, die wirklich mies war), aber langsam reicht's mir. Ich will nach Hause und wie alle anderen Sommerferien haben und in den Urlaub fahren und abends lange draußen bleiben und ausschlafen und jeden Tag in der Sonne sein, aber meine verschissene Psyche macht mir natürlich mal wieder einen Strich durch die Rechnung. Das schlimmste daran ist, dass ich selbst Schuld bin. Ich habe mir schließlich ausgesucht, in den Sommerferien in die Klapse zu gehen, weil mir Schule ja ach so wichtig ist und ich bloß nichts verpassen wollte. Super, war natürlich gut durchdacht. Deswegen bin ich jetzt ehrlich gesagt auch ein bisschen froh, dass das Wetter immer wieder ein bisschen spinnt und uns Regen und Gewitter doch ab und zu einen kleinen Besuch abstatten. Ich will nicht schadenfroh klingen, aber ich bin es. Wenn ich keine Sommerferien haben kann, dann sollen die anderen wenigstens schlechtes Wetter haben. So. Mag sein, dass ihr das jetzt alle furchtbar gemein findet, aber das ist mir herzlich egal. Ich könnte jetzt Romane darüber schreiben, was mich noch so alles im Moment stört, aber das lasse ich lieber mal sein, ich merke nämlich jetzt schon, dass ich sehr, sehr wütend werde.
Gerade sitze ich zu Hause, Kiara und Holly neben mir auf dem Boden, weil sie, so wie ich, kleine Angsthasen sind und das Gewitter nicht unbedingt genießen (was ich ja, wie bereits gesagt, doch irgendwie tue). Wie immer ist das Wochenende wieder viel zu schnell rumgegangen und in ein paar Stunden geht's auch wieder zurück nach Tübingen in mein geliebtes Irrenhaus. Hach, wie ich mich doch freue, die ganzen Idioten heute Abend wieder zu sehen. Zum Glück werden die schlimmsten nach und nach entlassen, sodass ich wenigstens nicht alle hassen muss. Naja gut, die, die nachkommen, sind nicht gerade besser. Der neuste Zuwachs heißt Helen ist um die 50 Jahre alt und hat einen ziemlich heißen Damenbart. Außerdem leidet sie (naja, leiden WIR) unter ihrem strengen Körpergeruch. Ich möchte nicht gemein sein, aber was soll ich denn tun? Ich mag eben keine ungepflegten Menschen, ganz einfach. Wer also meine Akzeptanz will - dusch gefälligst. So schwer kann das doch nicht sein. Uuuund ich schweife schon wieder ab.
Urprünglich wollte ich euch ja nur davon berichten, dass ich die Hälfte schon hinter mir habe, was mir, wenn ich jetzt nochmal drüber nachdenke, doch ziemlich schnell vergangen zu sein scheint. Wahnsinn, nur noch 6 Wochen! Am 5. September ist mein Entlasstermin, dass heißt, dass ich nur noch 39 mal im ungemütlichen Krankenhausbett schlafen muss, bis ich wieder in meinem Bett schlafen kann. Bekomm ich bestimmt hin. Hoffentlich.
Sonntag, 28. Juli 2013
Donnerstag, 18. Juli 2013
'Buhuuuu ich hab Borderline, ich bin so arm dran!'
Wird Zeit für einen neuen Blogeintrag! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie genervt ich im Momet von diesen in Selbstmitleid versinkenden Idioten bin. Dieses ganze 'Ich hab eine psychisches Problem hiermit, ich habe ein psychisches Problem damit'-Gehabe ist kaum auszuhalten. Anfangs dachte ich ja, es sei ziemlich gut, auf der Erwachsenenstation zu sein, weil hier nicht jeder zweite Patient noch mitten in der Pubertät steckt und den ganzen Tag nur davon redet, wie schrecklich es ist, hier zu sein. Da habe ich mich wohl getäuscht, und wie! Klar gibt es einige, die die ganze Sache hier wirklich ernst nehmen und sich auch so verhalten. Leider bilden diese hier eine Minderheit. Den ganzen Tag geht es nur um Borderline. Manche von euch fragen sich sicher, was falsch daran ist, da wir ja hier auf der Borderline-Station sind. Falsch daran ist, dass es keine anderen Gesprächsthemen gibt. Das Thema wird eben nur mit allem in Verbindung gebracht, teils mit Dingen die überhaupt nicht damit zusammenhängen. Mag ja sein, dass Borderline und Partnerschaften, oder allgemein Beziehungen, nicht gerade zwei perfekt zusammenpassende Bausteine sind, aber wir sind ja schließlich hier, um zu lernen, wie man damit umgeht.
Wie manche sicher wissen, kann Borderline nicht 'geheilt' werden. Ich persönlich finde ja, dass wir, wenn wir an Heilung denken sofort riesige Erwartungen daran haben. Kann denn nicht schon von Heilung die Rede sein, wenn man seine Erkrankung soweit in den Griff bekommt, dass man normal leben kann? Meiner Meinung nach ja, nur sind meine ach so bemitleidenswerten Mitpatienten da ganz anderer Meinung. Da kommt für mich die Frage auf: 'Was zur Hölle macht ihr dann überhaupt hier?!' Ernsthaft, man fängt doch keine Therapie an, mit der Einstellung, dass man ja sowieso niemals gesund wird und doch eh alles sinnlos ist, weil man ja NUR lernt, damit umzugehen.
Zum Glück gibt es noch Leute wie Helen, die so nette Beispiele bringen wie 'AIDS kann doch auch nicht geheilt werden, sollen die Betroffenen deshalb auf jede Unterstützung verzichten, weil sie ja sowieso nie gesund werden?' Da war die Selbstmitleids-Partei aber ganz still. Leider nur, bis die Gruppe vorbei war. Danach kamen natürlich die liebe Ulrike und Rieke (die heißen wirklich so!) auf mich zu und bombardierten mich mit den üblichen Fragen: 'Bist du sauer auf mich?', 'War das auf und bezogen?', 'Findest du, dass wir uns selbst bemitleiden?'
Zu blöd, dass ich ihnen nicht da schon gesagt habe, dass sie mir tierisch auf meine nicht vorhandenen Eier gehen. Da war ich nämlich noch nett, weil ich nicht wollte, dass die arme Ulrike, die ja mit etlichen Dingen ein psychisches Problem hat, anfängt zu weinen (dann hätte ich sie ja trösten müssen), genauso wenig wie ich von Rieke als Zicke bezeichnet werden wollte, weil ich ehrlich bin (die Definition des Wortes Zicke scheint nicht allen hier bekannt zu sein).
Jedenfalls schien danach (=ca. 12 Millionen Fragen später) alles wieder in Ordnung zu sein - bis vorgestern Abend. Wir haben einen neuen Patienten bekommen, er ist Amerikaner, ihr könnt euch also vorstellen, wie begeistert ich von ihm bin! Helen, Ulrike und ich saßen abends noch mit ihm zusammen im Esszimmer und haben (auf englisch natürlich!) ganz lustige Gespräche geführt. Leider, leider versteht Ulrike kein Wort (ernsthaft, sie kann nichtmal 'Ich heiße...' sagen, das ist ziemlich traurig), weshalb wir Übersetzer spielen durften. Sie fand ihn dann natürlich auch überaus lustig ('Er hat ganz meinen Humor'), bis er sie gefragt hat, warum sie denn kein Englisch könne. Von ihr kam als Antwort, dass das im Osten, wo sie herkäme, eben so sei. Todd hat nur gelacht und gemeint 'Ach, die ungebildeten Ossis oder wie?'. Ihr könnt euch Ulrikes Gesichtsausdruck nicht vorstellen. Sie ist sofort auf ihr Zimmer gerannt, weil sie sich sowas doch nicht gefallen lässt! Ich habe ihr meine Meinung gesagt, als sie mich gestern darüber aufgeklärt hat, wie richtig ihr Verhalten doch war und dass ich das nur nicht verstehe, weil ich eben nicht so sensibel sei wie sie. Zur Information, sie ist 24 Jahre alt, mehr sage ich zu dieser Geschichte nicht.
Ich kann es kaum erwarten, mich mit den üblichen Idioten (z.B. meinen etwas weniger intelligenten Klassenkameraden) rumschlagen zu müssen, in 7 Wochen ist es so weit! Und dann sind es nur noch ein paar Monate bis ich endlich (ENDLICH) mein Abitur habe und nie wieder einen Fuß in meine Schule setzen muss - hoffentlich!
Mit diesem schönen Gedanken versuche ich dann mal zu schlafen!
Mittwoch, 3. Juli 2013
Einmal Gesundheit zum Mitnehmen, bitte!
Meine grausame Woche voller Qualen ist überstanden! Ich habe letztendlich doch noch ein Antibiotikum bekommen, das mich ganz schnell gesund gemacht hat. Ich glaube aber, ich hätte es doch lieber aushalten und nicht um eine Blutabnahme betteln sollen, denn seit ich am Mittwoch das erste Mal leergesaugt wurde, reißen die sich hier förmlich nach meinem Blut. Ständig kommt ein Medizinstudent oder Arzt in voller Blutsaugermontur auf mich zu und plündert meine Blutvorräte. Heute schon wieder! Hoffentlich war's das jetzt erstmal, ich glaube nämlich wirklich, dass ich bald kein Blut mehr in meinem Körper habe!! Und hoffentlich sind meine Werte endlich auch mal wieder gut. So, genug davon.
Morgen steht meine Teamvorstellung an. Da muss ich meine Behandlungsziele dem ganzen Team, also Ärzten, Therapeuten und anwesenden Pflegern vorstellen und ab da geht dann die Therapie in die 2. Phase. Ich darf mir dann endlich weiterführende Therapien aussuchen, was ich eigentlich schon gemacht habe, jetzt warte ich nur auf freie Plätze. Ich möchte nämlich zusätzlich zur Ergotherapie am Dienstag und Donnerstag Morgen auch noch nachmittags in die Textilgruppe, jeweils an den selben Tagen. Außerdem möchte ich Mittwoch und Freitag in die Kunst- und Gestaltungstherapie gehen. Die findet zum Glück morgens statt, dann hab ich da wenigstens die Nachmittage frei, wenn schon zwei andere wegfallen, wobei das auch kein Drama ist.
Jedenfalls bin ich ziemlich aufgeregt vor morgen, weil ich gespannt bin, was die lieben Herren und Frauen Doktoren zu meinen Zielen sagen. Diese sind nämlich 1. Selbstverletztendes Verhalten reduzieren, 2. Umgang mit Gefühlen, insbesondere Schuld, 3. Ansprüche an mich selbst reduzieren. Das klingt nahezu unmöglich, wenn man bedenkt, dass ich ja 'schon' am 5. September wieder entlassen werde, also noch knapp zwei Monate Zeit habe, um an mir zu arbeiten. Aber meine Therapeutin war ganz überzeugt davon, dass ich das schaffen kann. Ehrlich gesagt habe ich da ja so meine Zweifel. Zwar hoffe ich, dass ich meine Behandlungsziele wenigstens ansatzweise erreichen kann, aber ich glaube (nein, ich bin mir sicher), dass dazu deutlich mehr nötig ist, als eine 12-wöchige Therapie. Ja ich weiß, dass das ziemlich klar auf der Hand liegt, aber mich verstört eben diese Euphorie, die hier verstrahlt wird doch ein wenig. Ich bin ja auch ziemlich optimistisch, was die ganze Sache angeht, weil es mir im Moment wirklich gut geht, teils besser als es mir in den letzten paar Jahren ging (man glaubt es kaum!), aber man soll den Tag ja bekanntlich nicht vor dem Abend loben, richtig?
Nun, ich lasse mir meine Zuversicht trotzdem nicht nehmen, es läuft im Moment eben gut, warum kann ich das nicht endlich mal akzeptieren ohne ständig diese Zweifel im Hinterkopf zu haben? Mensch, immer diese blöden Borderliner-Gedanken, nie können die's einem Recht machen. Dafür hab ich mir heute selbst was Gutes getan, indem ich zu Helen ins Zimmer gezogen bin! Ja, richtig gelesen, ich bin die herzallerliebste Kathi endlich, endlich, endlich losgeworden. Nachdem sie aber schon angefangen hat, meine Handtücher mitzubenutzen (mh, delikat), wurde das aber auch wirklich mal Zeit. Jetzt sitze ich also hier in meinem neuen Zimmer und fühle mich pudelwohl, trotz dem ziemlich beschissenen Tag, den ich hinter mir habe. Aber Hauptsache, ich kann gut schlafen, was ich jetzt auch schleunigst tun werde. Drückt mir die Daumen bei meiner Teamvorstellung!
Morgen steht meine Teamvorstellung an. Da muss ich meine Behandlungsziele dem ganzen Team, also Ärzten, Therapeuten und anwesenden Pflegern vorstellen und ab da geht dann die Therapie in die 2. Phase. Ich darf mir dann endlich weiterführende Therapien aussuchen, was ich eigentlich schon gemacht habe, jetzt warte ich nur auf freie Plätze. Ich möchte nämlich zusätzlich zur Ergotherapie am Dienstag und Donnerstag Morgen auch noch nachmittags in die Textilgruppe, jeweils an den selben Tagen. Außerdem möchte ich Mittwoch und Freitag in die Kunst- und Gestaltungstherapie gehen. Die findet zum Glück morgens statt, dann hab ich da wenigstens die Nachmittage frei, wenn schon zwei andere wegfallen, wobei das auch kein Drama ist.
Jedenfalls bin ich ziemlich aufgeregt vor morgen, weil ich gespannt bin, was die lieben Herren und Frauen Doktoren zu meinen Zielen sagen. Diese sind nämlich 1. Selbstverletztendes Verhalten reduzieren, 2. Umgang mit Gefühlen, insbesondere Schuld, 3. Ansprüche an mich selbst reduzieren. Das klingt nahezu unmöglich, wenn man bedenkt, dass ich ja 'schon' am 5. September wieder entlassen werde, also noch knapp zwei Monate Zeit habe, um an mir zu arbeiten. Aber meine Therapeutin war ganz überzeugt davon, dass ich das schaffen kann. Ehrlich gesagt habe ich da ja so meine Zweifel. Zwar hoffe ich, dass ich meine Behandlungsziele wenigstens ansatzweise erreichen kann, aber ich glaube (nein, ich bin mir sicher), dass dazu deutlich mehr nötig ist, als eine 12-wöchige Therapie. Ja ich weiß, dass das ziemlich klar auf der Hand liegt, aber mich verstört eben diese Euphorie, die hier verstrahlt wird doch ein wenig. Ich bin ja auch ziemlich optimistisch, was die ganze Sache angeht, weil es mir im Moment wirklich gut geht, teils besser als es mir in den letzten paar Jahren ging (man glaubt es kaum!), aber man soll den Tag ja bekanntlich nicht vor dem Abend loben, richtig?
Nun, ich lasse mir meine Zuversicht trotzdem nicht nehmen, es läuft im Moment eben gut, warum kann ich das nicht endlich mal akzeptieren ohne ständig diese Zweifel im Hinterkopf zu haben? Mensch, immer diese blöden Borderliner-Gedanken, nie können die's einem Recht machen. Dafür hab ich mir heute selbst was Gutes getan, indem ich zu Helen ins Zimmer gezogen bin! Ja, richtig gelesen, ich bin die herzallerliebste Kathi endlich, endlich, endlich losgeworden. Nachdem sie aber schon angefangen hat, meine Handtücher mitzubenutzen (mh, delikat), wurde das aber auch wirklich mal Zeit. Jetzt sitze ich also hier in meinem neuen Zimmer und fühle mich pudelwohl, trotz dem ziemlich beschissenen Tag, den ich hinter mir habe. Aber Hauptsache, ich kann gut schlafen, was ich jetzt auch schleunigst tun werde. Drückt mir die Daumen bei meiner Teamvorstellung!
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