Montag, 24. Juni 2013

Krank im Krankenhaus

(WARNUNG: Lesen auf eigene Gefahr! Ich versinke womöglich zutiefst in Selbstmitleid und tauche nicht wieder auf.)

Na warum geht man denn sonst ins Krankenhaus? In meinem Fall wegen Borderline, wie ihr wisst. Klar, ist auch 'ne Krankheit und so weiter, aber jetzt bin ich wirklich krank!
Ich habe schon den ganzen Tag Gliederschmerzen, die ich anfangs für Muskelkater hielt (Ich bin heute nämlich mal in die Stadt gelaufen, statt den Bus zu nehmen!!). Nur leider wurden die im Laufe des Tages immer schlimmer, Hals- und Kopfschmerzen kamen -wie nicht anders zu erwarten- natürlich auch dazu. 'Mit einer Ibuprofen geht das schon weg!', dachte ich mir. Klar, schön wär's! Mittlerweile habe ich 5 Ibuprofen intus und es hat absolut nichts gebracht. Fieber habe ich auch, 39 Grad, jetzt wahrscheinlich noch mehr! Ist das nicht furchtbar? Eigentlich denkt man sich, wenn man im Krankenhaus ist, bekommt man schon die richtige Behandlung, mit netten Medikamenten, die am besten alle Sinne betäuben und einen 24 Stunden am Stück schlafen lassen, aber auch hier habe ich mich mal wieder geirrt. Als ich zum Pflegerzimmer gegangen bin, um mein Verlangen nach Ibuprofen zu stillen, wurde ich gefragt, wie es meinem Hals geht und ob ich denn etwas gegen die Schmerzen haben wolle. Was für 'ne Frage, wer möchte denn bitte Schmerzen?! (sagte sie und im nächsten Moment fiel ihr auf 'Verdammt, ich hab ja Borderline.') Als ich mich schon tierisch auf richtig gute Medikamente freute -ich bin ja schließlich im Krankenhaus, der Medikamentenvorrat muss hier größer sein als der Safe von Dagobert Duck-, kam die Pflegerin zurück. Mit Emser Pastillen. Zur Erklärung: Das Zeug wurde mir schonmal angedreht, als ich in Esslingen Halsschmerzen hatte und ich hätte mich, nachdem ich das Zeug 10 Sekunden im Mund hatte, direkt übergeben können. Das ist mit Abstand das widerlichste, was ich je schmecken musste. Selbst zerbröselte Paracetamol (ich konnte früher keine Tabletten schlucken. Ein Glück hat sich das geändert!) schmecken dagegen wie Zuckerwatte.
Jedenfalls wurde mir dann gesagt, ich solle doch Halsbonbons lutschen, das helfe mit Sicherheit. Hat es, wie ihr euch sicherlich denken könnt, nicht mal ein bisschen. So lag ich also den ganzen Tag im Bett, hatte Schmerzen am ganzen Körper und selbst die Ibuprofen, die ich mir immer mal wieder geholt habe, haben nichts genützt.
Bis jetzt! Gerade kam die Nachtschwester nochmal zum Fiebermessen rein und es ist tatsächlich von 39 auf 37 Grad runtergegangen, seit ich die letzte Tablette genommen habe! Halleluja, es gibt wohl doch einen Medizingott oder sowas in der Art. Nur blöd, dass ich den ganzen Tag mit Schlafen verbracht habe und jetzt kaum müde bin. Und Kopfschmerzen habe ich immer noch. Und Halsschmerzen! Ich bin so ein armes, kleines bemitleidenswertes Ding. Ich möchte, dass das über Nacht verschwindet, weil ich morgen früh Erfotherapie habe, was ich auf keinen Fall verpassen will. Ich fange nämlich ein neues Bild an, mit Schafen natürlich. Und abgesehen davon ist Kunsttherapie mit das Beste, was ich hier machen darf. Ich bin zwar, wie ich bereits erwähnt habe, absolut nicht künstlerisch begabt, mir fehlt auch die nötige Fantasie. Aber trotzdem hilt mir das auf irgendeine abgedrehte Art und Weise. Ist mir auch relativ egal WIE, Hauptsache es hilft, was? 

Es gibt aber noch eine andere Sache, die mich in dieser einen Woche, die ich nun hier bin, weiter gebracht hat, als alle anderen Therapien, die ich bis jetzt hatte: Verhaltensanalysen schreiben. Wenn ein Patient unter selbstschädigendem Verhalten, wie z.B. Selbstverletzung oder einem gestörten Essverhalten leidet, kommt die Time-Out-Regelung ins Spiel. (Wer mit Dingen wie Selbstverletzung usw. ein Problem hat, sollte vielleicht nicht weiterlesen. Kann ja sein, dass jemand nicht gut damit zurecht kommt, ich weiß es nicht.)
Wenn ich mich während meinem Aufenthalt hier selbst verletzen sollte oder Mahlzeiten verweigern würde, bin ich dazu verpflichtet, einem Pfleger Bescheid zu geben, selbst dann, wenn das jeweilige Problemverhalten am Wochenende zu Hause stattgefunden hat. Dann wird mir mein Handy abgenommen und ich muss für mindestens zwei bis maximal 24 Stunden ins Time-Out. Das bedeutet dann, dass ich für den kompletten Tag an keiner Therapie mehr teilnehmen darf, ich darf mein Zimmer nur zu den Mahlzeiten verlassen, mit niemandem reden und eine Verhaltensanalyse schreiben (Was genau habe ich getan und wie? Was ist davor geschehen? Was wären mögliche Lösungsansätze?). Diese muss dann von einem Mitpatienten, sowie Pfleger begutachtet werden. Danach ist das Time-Out beendet, jedoch muss man Wiedergutmachung beim Pflegepersonal leisten (Was genau das nun schon wieder bedeutet, ist mir auch nicht ganz klar).
Ich habe es aber bis jetzt geschafft, nicht ins Time-Out zu kommen, was mich sehr stolz macht. Eine Verhaltensanalyse musste ich jedoch trotzdem schreiben, damit ich das übe. Diese sollte über meine prägnantese Erinnerung an mein Problemverhalten bzw. an das letzte Mal, als dieses von mir ausgeübt wurde, geschrieben werden. Ob ihr es glaubt oder nicht, es hat mir tatsächlich jetzt schon geholfen, meine Gefühle und Gedanken in solchen Momenten besser zu verstehen. Und da ich keinesfalls ins Time-Out möchte, aber auch nicht nichts sagen kann, wenn ich mich selbst verletzt habe, klappt es bisher ganz gut, das nicht zu tun. Und das ist einer der größten Fortschritte, die ich, wenn man alle Therapien zusammennimmt, verzeichnen kann.
Wo Licht ist, ist auch Schatten, sagte eins ein scheinbar äußerst intelligenter Mensch, den ich hiermit zitiert habe. Das war, finde ich, eine sehr gelungene Überleitung zu einem Thema, das mich heute wütend gemacht hat. Mir wurde nämlich von einer äußerst liebenswerten Person gesagt, ich sei ein ziemliches Opfer (dies bedeutet im Jargon dieses Individuums wohl nicht das, was wir etwas intelligenteren Menschen darunter verstehen. Im Gegenteil, ich bin mir ziemlich sicher, dass es mich beleidigen sollte), weil ich Borderline hätte und zu unfähig dazu sei, mit anderen Menschen umzugehen ('Ich kann wenigstens mit Personen umgehen, du Opfer.' Zitat Ende). Vielen Dank, liebe Person, das hat mich wirklich sehr aufgeheitert. Ich sagte zwar, es hätte mich wütend gemacht, was es auch hat, aber aufgeheitert hat es mich auch. Es ist immer wieder ein Genuss zu sehen, wie sehr sich die Natur teilweise mit der Verteilung der Gehirnzellen zurückgehalten hat.
Aber dieses Thema wäre damit auch abgeschlossen, es lohnt sich nicht, sich darüber Gedanken zu machen. Ich hatte nur das Bedürfnis, das loszuwerden und jetzt, da ich meiner Meinung freien Lauf lassen konnte, ist die Wut verflogen, juhu!
Leider verfliegen meine Schmerzen nicht, obwohl das Fieber gesunken ist. Ich sollte jetzt wohl ein bisschen Schokolade essen, dann wird das schon wieder, denn Schokolade ist ja bekanntlich die beste Medizin (bekanntlich = weil ich das sage = ich habe recht). An dieser Stelle verabschiede ich mich für heute und wünsche euch einen schönen Tag oder Abend, je nachdem, mit tonnenweise Schokolade! 

Freitag, 21. Juni 2013

Blümchen und Todestrieb

Ich habe es tatsächlich geschafft: Ich habe heute NICHT verschlafen! Applaus für mich! Leider hat mich die nette Therapeutin nicht wie versprochen geweckt und ich hatte die ganze Nacht über Panik, dass ich wieder verschlafen werde, weshalb ich jede Stunde aufgewacht und panisch nach meinem Handy gesucht habe, um dann festzustellen, dass ich noch gefühlte 10 Jahre schlafen kann. Nachdem es dann irgendwann wirklich Zeit zum Aufstehen war, konnte ich gemütlich 3 Nutellabrote verschlingen und danach gleich in die Morgenrunde spazieren. Die liebe Therapeutin hat sich natürlich gleich bei mir dafür entschuldigt, dass sie mich nicht geweckt hat, war aber stolz auf mich, dass ich es (trotz schlafgestörter Nacht) geschafft habe, pünktlich aus den Federn zu kommen.
In der Morgenrunde haben wir wie immer eine Achtsamkeitsdingsbumsübung gemacht und danach musste wieder jeder sein Tagesziel nennen. Das Tagesziel muss etwas sein, zu was man sich überwinden muss, was einem schwer fällt. Mir fällt da leider nur nie etwas ein, um ehrlich zu sein. Natürlich könnte ich sagen "Ich werde heute Mathe lernen", weil das ja wirklich eine Sache ist, die mir wahnsinnig schwer fällt. Aber mal ganz ehrlich: Wenn ich immer so etwas in der Art sagen würde, würde ich ja nie meine Tagesziele erreichen und irgendwann total frustriert vor mich hin vegetieren. Deshalb war mein heutiges Tagesziel, einen Brief zu schreiben. Okay, das habe ich auch nicht geschafft. Aber ich war auch schwer beschäftigt mit Skillsgruppe, Kuchen backen und damit, Besuch von der süßen Ani zu bekommen (das ist übrigens mein 'Positives Ereignis' auf meiner Diary Card :)).
Aber ich sollte vielleicht mal weiter erzählen. Nach der Morgenrunde hatte ich Skillsgruppe und das war heute wirklich anstrengend. Wir haben das Thema 'Umgang mit Gefühlen' angefangen und... nunja, wir Borderliner haben's ja bekanntlich nicht so mit Gefühlen und wenn wir dann eine Stunde damit konfrontiert werden, da quiekt das Urlaubsschwein gewaltig! Zur Erklärung: In jeder Gruppentherapie sind das Urlaubs-/Zeitschwein und der Dialektikfrosch dabei. Das Schwein wird gedrückt, wenn es einem zu viel wird und man 'Kurzurlaub' nehmen, also kurz den Raum verlassen, möchte. Der Dialektikfrosch hat die Aufgabe zu quaken, wenn jemand etwas Bewertendes sagt, z.B. "Ja, ich bin halt scheiße" oder jemand anderes bewertet. Ich habe es heute gerade noch so ausgehalten, aber es war echt schwierig, also seid stolz auf mich! Zum Glück hatte ich nach der Skillsgruppe 2 Stunden Zeit, bis es Mittagessen gab, also konnte ich in Ruhe duschen und natürlich Kreuzworträtsel machen. Schade nur, dass ich keinen Mittagschlaf gemacht und das Mittagessen verschlafen habe, den heute hat das Krankenhausessen mal wieder bewiesen, dass es Krankenhausessen ist. Bis jetzt war so gut wie alles echt lecker, aber das heute war 'ne Zumutung. Aber genug davon, kommen wir zum leckeren Teil.
Nach dem Mittagessen habe ich mit 2 Mitpatientinnen Apfelkuchen für die Kaffee & Kuchen-Runde am Nachmittag gebacken, zusätzlich zu unseren Schokomuffins, die ja gestern schon fertig waren. Um 15 nach 2 musste ich dann aber los, weil ich ein Gespräch mit meiner Bezugspflegerin hatte und das war auch echt anstrengend - als wäre die Skillsgruppe heute nicht genug gewesen. Jedenfalls habe ich mich irgendwann in mein Zimmer verkrochen und mich aus ihren 'Ich möchte alles, alles, ALLES über dich wissen!'-Krallen befreit. Sie ist eigentlich wirklich nett, aber heute hat sie mich überfordert. Als ich dann ein Ründchen vor mich hin gekreuzworträtselt hatte, um mich zu beruhigen (das hilft echt gut, merk ich grade so), war es auch schon 15 nach 3, also Kuchenzeit. Naja, nicht für mich. Meine sehr netten Mitpatienten haben mich aus der Küche geschmissen, weil ich 3 (!) Minuten zu spät erschienen bin. Also ich verstehe es ja, dass es bei den ganzen Gruppentherapien die Regel gibt, dass Zuspätkommer draußen bleiben müssen, um Störungen bei den Achtsamkeitsübungen zu vermeiden, aber mal im Ernst: beim Kuchenessen?! Wenn sie meinen. Die blöden machen ja sowieso in 2 Wochen die Fliege, dann bin ich die los. (Oh und apropos! Meine süße Kathi geht in die Tagesklinik, ich bin frei! Aber es ist noch nicht zu 100% sicher, also drückt mir die Daumen.)
Ohne Kuchen im Bauch habe ich mich dann also auf den Weg zum Parkhaus gemacht, wo ich meine kleine Ani abgeholt habe. Nachdem wir noch kurz in der Klinik waren, weil ich mich umziehen wollte (mein Rock war zu kurz UND hatte einen Fleck!!), sind wir in die Stadt gelaufen (was ganz neues für mich, weil ich bisher immer mit dem Bus gefahren bin. Ich dachte es wäre echt weit, aber eigentlich braucht man keine 10 Minuten. Ups.) und waren Eis essen und Kreuzworträtselhefte kaufen und lagen dann in der Sonne auf der Wiese und haben unsere grauen Zellen trainiert. Um halb 8 ist die liebe Ani dann wieder nach Hause gedüst und ich habe mir in der Klinik dann doch noch einen Muffin und ein Stück Kuchen gegönnt, ha! Aber natürlich ganz brav erst nach dem Abendessen (nicht das Mami & Papi das hier lesen und ich noch Ärger bekomme! Ich putz' mir auch ganz brav immer die Zähne!), das heute leider auch sehr bescheiden ausgefallen ist.
Jetzt sitze ich jedenfalls mit meinem Baby (=Laptop, Papa weiß Bescheid) in der Küche und höre meinen Mitpatienten zu, wie sie mit dem Pfleger diskutieren, ob wir noch bis 12 wach bleiben dürfen, weil Wochenende ist. Und hey, es hat geklappt! Also sollte ich mich jetzt wohl den laufenden Konversationen widmen und es mit dem posten heute gut sein lassen.
Adios!

P.S.: Jetzt habe ich gar nichts zur Überschrift gesagt. Ich habe von der Pflegerin, die vergessen hat mich zu wecken, als Wiedergutmachung eine Vase mit Blümchen für mein Zimmer bekommen und die Vase und die Blümchen sind rosa! Und zum Todestrieb: Meine herzallerliebste Klasse mal wieder. Aggressionen, Aggressionen, Aggressionen. Hach, wie schön.

Donnerstag, 20. Juni 2013

Endlich!

Hallo meine lieben Leser und Nicht-Leser!

Es ist geschehen: Ich hab endlich Internet! 6 Tage ohne haben meinen armen Laptop ganz traurig gemacht, aber jetzt ist alles wieder gut. Vielleicht sollte ich an die DBT gleich eine Internet-Entzugskur dranhängen..?
Morgen hab ich schon eine Woche hier verbracht und ich weiß, das ist keine lange Zeit, aber irgendwie ging es doch sehr schnell. Ich habe mich bis jetzt ziemlich gut eingelebt und alle Mitpatienten sind in Ordnung. (Okay, meine nette Mitbewohnerin nicht mit eingerechnet) Auch das Pflegepersonal und die Therapeuten sind alle echt nett. Ich bin selbst ganz überrascht, dass ich nur Gutes zu berichten habe, aber dieses Mal scheinen die Götter der psychisch Kranken echt auf meiner Seite zu sein. 
Im Gegensatz dazu scheinen sich die Frühaufstehergötter eindeutig gegen mich verschworen zu haben. Seit ich hier bin, bin ich kein einziges Mal rechtzeitig aufgestanden. Ich stelle mir jeden Tag ca. 8320580 Wecker aber es ist sinnlos. Jetzt haben die Pfleger beschlossen, dass es wohl ganz gut wäre, wenn sie mich wecken würden (Natürlich erst, nachdem sie schön Stress gemacht haben) - fällt ihnen früh ein! Jedenfalls habe ich heute zum Glück nur die Morgenrunde verpasst, was nicht so schlimm ist. Dafür war die Bewegungstherapie umso schlimmer. Ohne Frühstück Sport zu machen ist wirklich keine gute Idee, merkt euch das! Ich habe zum Glück früh genug gemerkt, dass mein Kreislauf gleich schlapp macht und saß dann den Rest der Stunde am Rand. War natürlich echt schlimm für mich, mich nicht sportlich betätigen zu dürfen!
Nach der furchtbar anstrengenden Bewegungstherapie hatten wir Bezugsgruppe, was nach Helen's Definition eine Lästerrunde ist. Dort werden eben allgemeine Probleme, die im Moment aktuell sind besprochen, aber auch Dinge, die einzelne Patienten belasten. Da das ganze ohne Pfleger abläuft, müssen wir wirklich aufpassen was wir sagen. Man darf zum Beispiel keinen Mucks über Selbstverletzung sagen, weil sich sonst andere Patienten getriggert fühen und natürlich sofort vom Krankenhausdach springen, jaja! Aber gut, ich verstehe natürlich schon, dass es hier gewisse Regeln gibt und das ist auch gut so, sonst würden hier einige echt durchdrehen, glaube ich. (Tun sie ja sowieso schon) 

Nachdem wir also unser Lästerründchen abgeschlossen hatten, ging's auch gleich weiter zur Ergotherapie, wo ich mein Bild von letztem Mal fertig gemacht habe. Es ist -wie nicht anders zu erwarten- ein Schaf. Aber es ist nicht so geworden, wie ich es gerne hätte und deshalb war ich vorhin ganz schön mies drauf. Aber vielleicht lag meine schlechte Laune auch daran, dass ich mitbekommen habe, dass meine herzallerliebsten Klassenkameraden nichts anderes mit ihrem Leben anzufangen wissen, als meins auseinanderzunehmen. (Falls jemand von euch irgendwie an diesen Link gekommen sein sollte: Liebe Person, verpiss dich.) Eigentlich sollte mir das völlig egal sein, aber langsam wird es wirklich lächerlich. Egal, es ist Internetverschwendung, noch mehr darüber zu schreiben!
Das Mittagessen hat mich von meinem Schafbild-Frust ein bisschen abgelenkt, weil es -für Krankenhausessen- mal wieder echt lecker war! Satt und glücklich konnte ich dann zur Achtsamkeitsgruppe gehen und das war dann auch das letzte, was heute anstand. Was wäre also besser gewesen, als einen Mittagschlaf zu machen? Nichts, richtig. Mehr oder weniger pünktlich zum Abendessen war ich auch wieder wach, hab dann meinen Magen wieder gefüllt und danach ging's mit 3 meiner Leidensgenossen nach draußen und Hausaufgaben machen. Bin ich nicht vorbildlich? 
Es tut mir leid, dass ich heute nur blödes Geschwafel zu berichten hatte, aber es ist wirklich nichts Spannendes passiert. Jetzt werde ich mit der süßen Rieke Muffins für morgen backen, seid also alle neidisch!
Bis bald! :)

Dienstag, 18. Juni 2013

Los geht's!

Gestern hat meine Therapie hier also 'richtig' angefangen. Ich hatte bisher schon Einzelterapie (bei einer scheinbar super Therapeutin!), Gruppentherapie (wo ich erstmal etwa 2847294 Arbeitsblätter -das sogenannte 'Skills-Manual'- bekommen habe), Achtsamkeitsgruppe ( ich weiß noch nicht so recht, was der Unterschied zwischen den einzelnen Gruppentherapien ist), Körperwahrnehmung (heute haben wir PMR gemacht und ich bin fast eingeschlafen! Das sind schonmal 100 Punkte für die Bewegungstherapeutin!) und Ergotherapie (da kann man entweder malen oder Specksteine machen). 
Der Tag gestern war irgendwie nicht so gut, weil ich etwas aufgeregt war, weil es jetzt ja dann richtig losgeht. Dafür war es heute bisher umso besser! Vor allem das Malen hat mir Spaß gemacht, obwohl ich künstlerisch sehr unbegabt bin, wie die meisten vielleicht wissen. Aber ich habe beschlossen, mit Acrylfarben ein Schaf auf einer Wiese zu malen. Das bekomme ich geraaaaade noch so hin und Schafe sind ja sowieso super! 
Den Nachmittag habe ich heute mit 3 Mitpatienten in unseren schicken Wohnzimmer verbracht, weil es draußen echt zu warm war! (Außerdem ist die eine Diabetikerin und war heute so stark im Unterzucker, dass sie heute Ausgangssperre hatte) Aber eigentlich will ich mich nicht über die Hitze beschweren, wenigstens wird es endlich mal Sommer! Klar, es ist natürlich nicht wirklich 'ne Traumvorstellung, seinen Sommer in der Psychiatrie zu verbringen, aber immerhin darf ich hier raus wann ich will. 
Ich habe das Gefühl, dass ich euch langweile, weil es eigentlich nichts spektakuläres zu erzählen gibt, deshalb erzähle ich euch mal, was ich die nächsten Tage so vorhabe. Morgen früh habe ich meine 2. Einzelterapie und danach kommt eine Medizinstudentin, die am Montag in der Oberarztvisite dabei war, zu mir, weil sie mich ein bisschen 'interviewen' möchte. Ja richtig gehört! Mein ach-so-spannender Fall wird von ihr nämlich in der Uni vorgestellt, hat sie als Hausaufgabe (oder wie auch immer das in Studentensprache heißt) aufbekommen. Da bin ich echt mal gespannt! 
Nachmittags sind dann wieder 2 Gruppentherapien und danach findet unsere Außenaktivität statt, bei der wir morgen in den botanischen Garten gehen. Hoffentlich werde ich in der Sonne endlich mal beige.
Am Donnerstag ist der komplette Morgen verplant. Erst Frühstück, dann Morgenrunde, dann Bewegungstherapie bis 9.15 Uhr, um 9.40 Uhr Bezugsgruppe bis 10.25 Uhr und 5 Minuten später Ergotherapie. Um 12 Uhr dann erstmal Mittagessen und um 15 vor 1 Achtsamkeitsgruppe. Und das war's dann auch mal. Wenigstens haben wir da den Nachmittag frei. Ist irgendwie wie Schule, was? Wir bekommen sogar Hausaufgaben, stellt euch das mal vor! Die wollen mich wohl noch kränker machen! (Ich übertreibe vielleicht ein wenig.)
Am Freitag steht nur Skillsgruppe an und mittags werde ich mit 2 Mitpatientinnen Kuchen backen, weil es jeden Freitag um 15.15 Uhr Kaffee & selbstgebackenen (!) Kuchen auf Station gibt. Werdet alle neidisch!
So, jetzt gehen mir wirklich die Themen aus... Bis bald! 

So sieht Abendessen in Tübingen übrigens aus!


Samstag, 15. Juni 2013

Erster Tag

So, die erste Nacht ist überstanden. Komischerweise hab ich erstaunlich gut geschlafen! Zwar nur bis halb 7, was sehr u gewöhnlich für mich ist (okay, ich musste pinkeln und bin davon aufgewacht.), aber immerhin gut. 
Der erste Tag war nicht sehr spektakulär, aber ich berichte trotzdem mal ein bisschen.
Um 9.30 Uhr sollte ich da sein; war ich auch. Aber vor lauter Nervosität habe ich natürlich vergessen, zur Anmeldung zu gehen und bin gleich auf die Station. Also durfte ich erstmal schön hin- und herlaufen, aber das war alles schnell geregelt. Danach wurde mir mein Zimmer gezeigt (die Betreuerin hat's irgendwie nicht so geblickt und wollte mich zweimal in das falsche Zimmer stecken) und ich dürfte erstmal in Ruhe auspacken. In Tübingen sind es, im Gegensatz zu Esslingen, Zweibettzimmer, was ich ganz gut finde. Meine Mitbewohnerin, die ich erst abends zu Gesicht bekam, heißt Kathrin. Netter Zufall, was? Aber dazu später mehr.
Nachdem ich alles schön eingeräumt hatte, musste ich zur ärztlichen Untersuchung, wo mir Blut abgenommen wurde und so 'n Spaß. Wie ein paar von euch vielleicht wissen, hab ich tierische Angst davor und dieser Arzt hat meine Angst eindeutig vergrößert! Der süße hat es nämlich mit dem Pflasteraufkleben nicht so drauf, sodass 2 Sekunden, nachdem ich den Raum verlassen hatte, mein ganzer Arm voller Blut war, echt super Anblick, willkommen in Tübongen, Kata! Naja, wurde natürlich alles vom netten Onkel Doktor sauber gemacht.
Danach hatte ich mein Aufnahmegespräch mit meiner Therapeutin und einer Praktikantin (fängt ja schonmal gut an hier!), was eigentlich ziemlich gut war, weil ich bis jetzt total den guten Eindruck von ihr habe. 
Als mir alles mögliche erklärt wurde und mein Gehirn vor Informationen fast geplatzt ist, gab es auch schon Mittagessen. Natürlich wurde meins noch nicht geliefert, also hab ich das von einem Mitpatienten, der nicht da war bekommen. Und was gab's? Fisch. Super. Mein Mittagessen bestand also aus der Reisbeilage und ca. 1 ml Soße. Das Abendessen war ähnlich: 2 Scheiben Brot, 2 Päckchen Butter, aber 1 Scheibe Wurst. Sehr intelligent, liebes Küchenpersonal! Egal, dafür gab's zwischendrin um 15.15 Uhr Kaffee und Kuchen. Da hab ich meine Mitbewohnerin zum ersten mal kurz gesehen und kaum war sie weg wurde ich schon gewarnt mit dem Satz:'Ich hoffe du hast gute Nerven...' Natürlich dachte ich mir, das sei nur so daher gesagt und ich wollte mir auch keine Meinung bilden, bevor ich sie persönlich kennengelernt habe, aber glaubt mir, man braucht wirklich Nerven! Die liebe Kathi ist auch 19 Jahre alt und die liebe Kathi reden sehr gerne. Viel zu gerne. Und zwar über Themen, die nicht jugendfrei sind. Ich wurde mehr oder weniger mit dem Satz 'Mein Freund will nicht mit mir ins Bett, weil ich nicht weiß, welche Geschlechtskrankheiten ich außer Syphilis noch so hab. So ein Arsch!' Liebe Kathi, danke für diese Information. So ging das den ganzen Abend weiter, bis sie, entgegen ihrer eigenen Aussage, dann doch relativ schnell eingeschlafen ist. Ich bin echt gespannt, was da noch auf mich zukommt, denn wie es aussieht, darf ich die ganzen 12 Wochen mit ihr verbringen, weil sie auch erst seit ein paar Tagen da ist. Davor war sie auf der geschlossenen, da ist sie aber rausgeflogen. Wünscht mir Glück!
Ich verabschiede mich an dieser Stelle mal und schaue, was der heutige Tag so mit sich bringt.
Adios!

Donnerstag, 13. Juni 2013

superinteressanter Titel.

Hallo liebste Menschen, die das hier lesen.

Ich habe beschlossen, euch ein zweites Mal einen Einblick in meine mysteriösen Gedankengänge und Tagesabläufe während meiner Zeit in der Klinik zu gewähren. Ja, richtig gelesen, ihr, die es noch nicht wissen, ich hab's mal wieder geschafft. Dieses Mal geht's nach Tübingen. Eigentlich dachte ich, mir bliebe noch ein wenig Zeit, um mich an den Gedanken zu gewöhnen, schon wieder in so ein super Krankenhaus zu gehen, aber die lieben Ärzte haben meine Pläne durchkreuzt. Heute Mittag saß ich im Wartezimmer bei meiner lieben Hausärztin und hab noch so überlegt, was ich die nächsten paar Wochen, bevor es dann losgeht, machen könnte und da kam der Anruf. 'Hallo blablabla wären Sie so flexibel blabla morgen, halb 10? Gut, bis dann!' Geiler Scheiß! Ich hab natürlich nicht nein gesagt, warum auch? Besser alles so früh wie möglich hinter mich bringen, als noch ewig auf irgendeiner Warteliste zu stehen. Glaube ich zumindest. Nunja, nach gefühlten 28048 Stunden beim Arzt, bin ich dann gleich nach Hause gegangen, um alle möglichen Termine abzusagen, die in nächster Zeit anstehen (Ja, meine Lieben, ich bin eine sehr beschäftigte junge Dame!). Gepackt habe ich dann auch gleich. Diesmal sind's leider nur 2 Koffer, aber immerhin! Ich habe bestimmt sowieso tausend Dinge vergessen, für die ich dann unnötig Geld ausgeben muss, ich arme, arme Schülerin. Hauptsache ich hab mein Einhorn dabei. Aber gut, ich schweife ab.
Morgen früh um halb 10 soll ich also eingewiesen werden, das wird ein Spaß. Ja, ich weiß, ich hab's mir selbst ausgesucht, aber mal ehrlich, wer verbringt schon gerne 3 Monate mit 7 anderen süßen Psychos im Krankenhaus? Ich ganz sicher nicht, aber egal, wird bestimmt lustig. Ich hoffe nur, dass meine Zimmergenossin erträglich ist. Wenn das nicht der Fall ist, weine ich. Das wäre nämlich mein größtes Problem. Scheiß auf Krankenhausbetten, Klinikfraß und unfreundliche Ärzte. Ich muss mir mit der Person immerhin 'ne ganze Weile ein Zimmer teilen! Aber ich bin ja super, wie wir alle wissen, also krieg' ich das auch gebacken. Vor allem deshalb, weil ich meinen geliebten Laptop mitnehmen darf, dann wird das wohl sowieso ein Kinderspiel. Es wird bestimmt darauf hinauslaufen, dass die mich am Ende in 'ne Entzugskur für Internetsüchtige stecken...egal, yolo und so. (Man merkt mir meine Nervosität wohl ein klein wenig an.)
Also, ja, worauf ich eigentlich hinauswollte ist, dass ich dieses mal eben, wie gesagt, in Tübingen bin und zwar nicht auf irgendeiner Psychostation, sondern auf der super-special Station für Borderline-Patienten. Ich habe jetzt leider keine Lust euch zu erklären, was Borderline ist (zum größten Teil deshalb, weil ich selbst nicht alles darüber weiß), aber Wikipedia hat einen netten Eintrag dazu, den wohl jeder verstehen sollte, also viel Spaß beim lesen oder nicht-lesen.
Ich werde mich nach diesem äußerst intelligenzbeladenen Post nun jedenfalls in mein Bett begeben und versuchen, wenigstens noch ein paar Stündchen Schlaf abzubekommen, bevor ich morgen um 7 aufstehen darf (Meine Morgenmuffelseele begeht grad Selbstmord...hach, schwarzer Humor. Ich bin so lustig.) und mein bestes 'seht mich an, ich bin so bemitleidenswert'-Gesicht aufsetzen darf, damit die mich auch ja nett behandeln. 

Also, wünscht mir Glück, drückt mir die Daumen und lasst euch in den nächsten 3 Monaten von meinen gedanklichen Ergüssen hier berieseln!
Bis bald! 
                                                         Heutige Stimmung: fabelhaft.