(WARNUNG: Lesen auf eigene Gefahr! Ich versinke womöglich zutiefst in Selbstmitleid und tauche nicht wieder auf.)
Na warum geht man denn sonst ins Krankenhaus? In meinem Fall wegen Borderline, wie ihr wisst. Klar, ist auch 'ne Krankheit und so weiter, aber jetzt bin ich wirklich krank! Ich habe schon den ganzen Tag Gliederschmerzen, die ich anfangs für Muskelkater hielt (Ich bin heute nämlich mal in die Stadt gelaufen, statt den Bus zu nehmen!!). Nur leider wurden die im Laufe des Tages immer schlimmer, Hals- und Kopfschmerzen kamen -wie nicht anders zu erwarten- natürlich auch dazu. 'Mit einer Ibuprofen geht das schon weg!', dachte ich mir. Klar, schön wär's! Mittlerweile habe ich 5 Ibuprofen intus und es hat absolut nichts gebracht. Fieber habe ich auch, 39 Grad, jetzt wahrscheinlich noch mehr! Ist das nicht furchtbar? Eigentlich denkt man sich, wenn man im Krankenhaus ist, bekommt man schon die richtige Behandlung, mit netten Medikamenten, die am besten alle Sinne betäuben und einen 24 Stunden am Stück schlafen lassen, aber auch hier habe ich mich mal wieder geirrt. Als ich zum Pflegerzimmer gegangen bin, um mein Verlangen nach Ibuprofen zu stillen, wurde ich gefragt, wie es meinem Hals geht und ob ich denn etwas gegen die Schmerzen haben wolle. Was für 'ne Frage, wer möchte denn bitte Schmerzen?! (sagte sie und im nächsten Moment fiel ihr auf 'Verdammt, ich hab ja Borderline.') Als ich mich schon tierisch auf richtig gute Medikamente freute -ich bin ja schließlich im Krankenhaus, der Medikamentenvorrat muss hier größer sein als der Safe von Dagobert Duck-, kam die Pflegerin zurück. Mit Emser Pastillen. Zur Erklärung: Das Zeug wurde mir schonmal angedreht, als ich in Esslingen Halsschmerzen hatte und ich hätte mich, nachdem ich das Zeug 10 Sekunden im Mund hatte, direkt übergeben können. Das ist mit Abstand das widerlichste, was ich je schmecken musste. Selbst zerbröselte Paracetamol (ich konnte früher keine Tabletten schlucken. Ein Glück hat sich das geändert!) schmecken dagegen wie Zuckerwatte.
Jedenfalls wurde mir dann gesagt, ich solle doch Halsbonbons lutschen, das helfe mit Sicherheit. Hat es, wie ihr euch sicherlich denken könnt, nicht mal ein bisschen. So lag ich also den ganzen Tag im Bett, hatte Schmerzen am ganzen Körper und selbst die Ibuprofen, die ich mir immer mal wieder geholt habe, haben nichts genützt.
Bis jetzt! Gerade kam die Nachtschwester nochmal zum Fiebermessen rein und es ist tatsächlich von 39 auf 37 Grad runtergegangen, seit ich die letzte Tablette genommen habe! Halleluja, es gibt wohl doch einen Medizingott oder sowas in der Art. Nur blöd, dass ich den ganzen Tag mit Schlafen verbracht habe und jetzt kaum müde bin. Und Kopfschmerzen habe ich immer noch. Und Halsschmerzen! Ich bin so ein armes, kleines bemitleidenswertes Ding. Ich möchte, dass das über Nacht verschwindet, weil ich morgen früh Erfotherapie habe, was ich auf keinen Fall verpassen will. Ich fange nämlich ein neues Bild an, mit Schafen natürlich. Und abgesehen davon ist Kunsttherapie mit das Beste, was ich hier machen darf. Ich bin zwar, wie ich bereits erwähnt habe, absolut nicht künstlerisch begabt, mir fehlt auch die nötige Fantasie. Aber trotzdem hilt mir das auf irgendeine abgedrehte Art und Weise. Ist mir auch relativ egal WIE, Hauptsache es hilft, was?
Es gibt aber noch eine andere Sache, die mich in dieser einen Woche, die ich nun hier bin, weiter gebracht hat, als alle anderen Therapien, die ich bis jetzt hatte: Verhaltensanalysen schreiben. Wenn ein Patient unter selbstschädigendem Verhalten, wie z.B. Selbstverletzung oder einem gestörten Essverhalten leidet, kommt die Time-Out-Regelung ins Spiel. (Wer mit Dingen wie Selbstverletzung usw. ein Problem hat, sollte vielleicht nicht weiterlesen. Kann ja sein, dass jemand nicht gut damit zurecht kommt, ich weiß es nicht.)
Wenn ich mich während meinem Aufenthalt hier selbst verletzen sollte oder Mahlzeiten verweigern würde, bin ich dazu verpflichtet, einem Pfleger Bescheid zu geben, selbst dann, wenn das jeweilige Problemverhalten am Wochenende zu Hause stattgefunden hat. Dann wird mir mein Handy abgenommen und ich muss für mindestens zwei bis maximal 24 Stunden ins Time-Out. Das bedeutet dann, dass ich für den kompletten Tag an keiner Therapie mehr teilnehmen darf, ich darf mein Zimmer nur zu den Mahlzeiten verlassen, mit niemandem reden und eine Verhaltensanalyse schreiben (Was genau habe ich getan und wie? Was ist davor geschehen? Was wären mögliche Lösungsansätze?). Diese muss dann von einem Mitpatienten, sowie Pfleger begutachtet werden. Danach ist das Time-Out beendet, jedoch muss man Wiedergutmachung beim Pflegepersonal leisten (Was genau das nun schon wieder bedeutet, ist mir auch nicht ganz klar).
Ich habe es aber bis jetzt geschafft, nicht ins Time-Out zu kommen, was mich sehr stolz macht. Eine Verhaltensanalyse musste ich jedoch trotzdem schreiben, damit ich das übe. Diese sollte über meine prägnantese Erinnerung an mein Problemverhalten bzw. an das letzte Mal, als dieses von mir ausgeübt wurde, geschrieben werden. Ob ihr es glaubt oder nicht, es hat mir tatsächlich jetzt schon geholfen, meine Gefühle und Gedanken in solchen Momenten besser zu verstehen. Und da ich keinesfalls ins Time-Out möchte, aber auch nicht nichts sagen kann, wenn ich mich selbst verletzt habe, klappt es bisher ganz gut, das nicht zu tun. Und das ist einer der größten Fortschritte, die ich, wenn man alle Therapien zusammennimmt, verzeichnen kann.
Wo Licht ist, ist auch Schatten, sagte eins ein scheinbar äußerst intelligenter Mensch, den ich hiermit zitiert habe. Das war, finde ich, eine sehr gelungene Überleitung zu einem Thema, das mich heute wütend gemacht hat. Mir wurde nämlich von einer äußerst liebenswerten Person gesagt, ich sei ein ziemliches Opfer (dies bedeutet im Jargon dieses Individuums wohl nicht das, was wir etwas intelligenteren Menschen darunter verstehen. Im Gegenteil, ich bin mir ziemlich sicher, dass es mich beleidigen sollte), weil ich Borderline hätte und zu unfähig dazu sei, mit anderen Menschen umzugehen ('Ich kann wenigstens mit Personen umgehen, du Opfer.' Zitat Ende). Vielen Dank, liebe Person, das hat mich wirklich sehr aufgeheitert. Ich sagte zwar, es hätte mich wütend gemacht, was es auch hat, aber aufgeheitert hat es mich auch. Es ist immer wieder ein Genuss zu sehen, wie sehr sich die Natur teilweise mit der Verteilung der Gehirnzellen zurückgehalten hat.
Aber dieses Thema wäre damit auch abgeschlossen, es lohnt sich nicht, sich darüber Gedanken zu machen. Ich hatte nur das Bedürfnis, das loszuwerden und jetzt, da ich meiner Meinung freien Lauf lassen konnte, ist die Wut verflogen, juhu!
Leider verfliegen meine Schmerzen nicht, obwohl das Fieber gesunken ist. Ich sollte jetzt wohl ein bisschen Schokolade essen, dann wird das schon wieder, denn Schokolade ist ja bekanntlich die beste Medizin (bekanntlich = weil ich das sage = ich habe recht). An dieser Stelle verabschiede ich mich für heute und wünsche euch einen schönen Tag oder Abend, je nachdem, mit tonnenweise Schokolade!

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