Wie manche sicher wissen, kann Borderline nicht 'geheilt' werden. Ich persönlich finde ja, dass wir, wenn wir an Heilung denken sofort riesige Erwartungen daran haben. Kann denn nicht schon von Heilung die Rede sein, wenn man seine Erkrankung soweit in den Griff bekommt, dass man normal leben kann? Meiner Meinung nach ja, nur sind meine ach so bemitleidenswerten Mitpatienten da ganz anderer Meinung. Da kommt für mich die Frage auf: 'Was zur Hölle macht ihr dann überhaupt hier?!' Ernsthaft, man fängt doch keine Therapie an, mit der Einstellung, dass man ja sowieso niemals gesund wird und doch eh alles sinnlos ist, weil man ja NUR lernt, damit umzugehen.
Zum Glück gibt es noch Leute wie Helen, die so nette Beispiele bringen wie 'AIDS kann doch auch nicht geheilt werden, sollen die Betroffenen deshalb auf jede Unterstützung verzichten, weil sie ja sowieso nie gesund werden?' Da war die Selbstmitleids-Partei aber ganz still. Leider nur, bis die Gruppe vorbei war. Danach kamen natürlich die liebe Ulrike und Rieke (die heißen wirklich so!) auf mich zu und bombardierten mich mit den üblichen Fragen: 'Bist du sauer auf mich?', 'War das auf und bezogen?', 'Findest du, dass wir uns selbst bemitleiden?'
Zu blöd, dass ich ihnen nicht da schon gesagt habe, dass sie mir tierisch auf meine nicht vorhandenen Eier gehen. Da war ich nämlich noch nett, weil ich nicht wollte, dass die arme Ulrike, die ja mit etlichen Dingen ein psychisches Problem hat, anfängt zu weinen (dann hätte ich sie ja trösten müssen), genauso wenig wie ich von Rieke als Zicke bezeichnet werden wollte, weil ich ehrlich bin (die Definition des Wortes Zicke scheint nicht allen hier bekannt zu sein).
Jedenfalls schien danach (=ca. 12 Millionen Fragen später) alles wieder in Ordnung zu sein - bis vorgestern Abend. Wir haben einen neuen Patienten bekommen, er ist Amerikaner, ihr könnt euch also vorstellen, wie begeistert ich von ihm bin! Helen, Ulrike und ich saßen abends noch mit ihm zusammen im Esszimmer und haben (auf englisch natürlich!) ganz lustige Gespräche geführt. Leider, leider versteht Ulrike kein Wort (ernsthaft, sie kann nichtmal 'Ich heiße...' sagen, das ist ziemlich traurig), weshalb wir Übersetzer spielen durften. Sie fand ihn dann natürlich auch überaus lustig ('Er hat ganz meinen Humor'), bis er sie gefragt hat, warum sie denn kein Englisch könne. Von ihr kam als Antwort, dass das im Osten, wo sie herkäme, eben so sei. Todd hat nur gelacht und gemeint 'Ach, die ungebildeten Ossis oder wie?'. Ihr könnt euch Ulrikes Gesichtsausdruck nicht vorstellen. Sie ist sofort auf ihr Zimmer gerannt, weil sie sich sowas doch nicht gefallen lässt! Ich habe ihr meine Meinung gesagt, als sie mich gestern darüber aufgeklärt hat, wie richtig ihr Verhalten doch war und dass ich das nur nicht verstehe, weil ich eben nicht so sensibel sei wie sie. Zur Information, sie ist 24 Jahre alt, mehr sage ich zu dieser Geschichte nicht.
Ich kann es kaum erwarten, mich mit den üblichen Idioten (z.B. meinen etwas weniger intelligenten Klassenkameraden) rumschlagen zu müssen, in 7 Wochen ist es so weit! Und dann sind es nur noch ein paar Monate bis ich endlich (ENDLICH) mein Abitur habe und nie wieder einen Fuß in meine Schule setzen muss - hoffentlich!
Mit diesem schönen Gedanken versuche ich dann mal zu schlafen!
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